«Wenn sie kommen, dann werden sie uns töten»

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Innert kürzester Zeit haben die radikalislamischen Taliban grosse Teile des Landes eingenommen. Alle News zu den Entwicklungen in Afghanistan im Überblick.

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«Wenn sie kommen, dann werden sie uns töten»

Die Lage der Frauen in Afghanistan ist mit dem Vormarsch der Taliban besonders gefährdet. Die Ärztin Roya Afshar muss sich jetzt zuhause verstecken. «Eigentlich wäre ich um die Zeit im Spital oder am Unterrichten», erzählt sie Spiegel Online. Seit Wochen werde sie bedroht. «Jeden Tag bekomme ich Anrufe, da heisst es, ich dürfe nicht auf die Strasse». Afshar ist seit zehn Jahren verwitwet und kümmert sich alleine um ihren 12-jährigen Sohn und um ihre Eltern. Die Frauenärztin war eine sehr aktive Frau, auch in Frauenorganisationen tätig, wie sie schildert. Die Taliban wollten nun die Frauen verfolgen und bestrafen, befürchtet die Afghanin.

Ravina Shamdasani, Menschenrechtssprecherin der Vereinten Nationen, berichtet von öffentlichen Auspeitschungen von Frauen, die schon stattfinden, «weil sie gegen die Regeln verstossen haben.» Videos davon zirkulieren im Internet. Eine Menschenrechtsaktivistin sei am 3. August erschossen worden, sagt Shamdasani.

Eine Verzweiflung, die man sich in Europa nicht vorstellen könne

Unter dem Hashtag #NoToTaliban formiert sich Widerstand im Netz. Auch in den Provinzen gibt es Widerstand von vereinzelten Frauengruppen in den Provinzen Afghanistans. Monika Hauser, Gründerin der Organisation medica mondiale, hält das Handeln dieser Afghaninnen für «mörderisch». Es spricht allerdings für einen Mut aus Verzweiflung, den man sich in Europa kaum vorstellen könne, sagt sie.

Dabei hatten viele bis vor Kurzem von einem Land geträumt, in dem die Mädchen zu starken Frauen aufwachsen könnten. Jetzt merkten sie aber, dass sie «überhaupt keine Freunde auf der Welt haben und dass sie der Situation jetzt schutzlos ausgeliefert sind», meint Hauser.

Die Ärztin Roya Afshar fasst die Angst jeder einzelnen Afghanin zusammen: «Wir können nicht auswandern, wir können nicht in unserem Land bleiben. Wir warten auf den Tod. Wenn sie kommen, dann werden sie uns töten.»

 

 

 

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