Zoo Zürich: Amurtiger greift Tierpflegerin an und verletzt diese tödlich

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Am Samstagnachmittag ist es zum tragischen Vorfall im Zürcher Zoo gekommen. Viele Fragen bleiben offen; vor allem weiss man nicht, weshalb der Tiger und die 55-jährige Pflegerin gleichzeitig im Gehege waren.
Der neue Zoodirektor Severin Dressen, der erst vor vier Tagen sein Amt übernommen hat, wirkte an der kurzfristig einberufenen Medienkonferenz im Zoo sichtlich erschüttert. Es handle sich um ein «hochtragisches Ereignis», sagte er – und sprach den Angehörigen der «verdienten Pflegerin» sein Beileid aus. Seines Wissens habe es einen ähnlichen Vorfall im Zoo Zürich noch nie gegeben, sagte er.

Art der Verletzungen nicht klar
Kurz vor 13 Uhr 20 am Samstag hatte die zoointerne Notfallstelle die Mitteilung erhalten, dass die Tierpflegerin von einem Amurtiger angegriffen worden sei. Gemäss einer Mitteilung des Zoos gelang es einer Gruppe Tierpfleger, das Tigerweibchen Irina mit Rufen von der Pflegerin weg aus der Anlage und in den Stall zu locken.

Üblicherweise sollte es keinen Kontakt zwischen den Tieren und den Pflegern geben – ganz anders als beispielsweise bei einem Zirkus. Warum sich diesmal dennoch der Tiger und die Pflegerin gleichzeitig im Gehege aufgehalten haben, wird nun abgeklärt. An der Aufklärung sind die Staatsanwaltschaft, die Stadtpolizei Zürich, das Forensische Institut und das Institut für Rechtsmedizin beteiligt. Über die Identität des Opfers und die Art der Verletzungen wurden zunächst keine Angaben gemacht.

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2018 schon ein Vorfall im Tigergehege
Nachdem der Tiger aus dem Gehege gelockt worden war, gingen die ausgerückten Spezialisten von Schutz & Rettung in die Anlage, um sich um die verletzte Pflegerin zu kümmern. Trotz Reanimationsversuchen kam für die Frau aber jede Hilfe zu spät. Sie starb noch vor Ort. Für die Besucher und Zoomitarbeiter, die den Vorfall miterlebt hatten, wurde ein Careteam aufgeboten. Der betroffene Bereich des Zoos wurde abgesperrt.

Vor knapp zwei Jahren, Anfang September 2018, war es bereits zu einem Vorfall im Tigergehege des Zürcher Zoos gekommen. Damals biss der junge Tiger Sayan das altersschwache Tigerweibchen Elena tot. Im August 2019 kam die junge Tigerin Irina, die nun die Tierpflegerin tödlich verletzt hat, als Ersatz aus Dänemark in den Zürcher Zoo. Das Tier ist isoliert worden; was weiter mit ihm geschieht, wird erst nach Abschluss der Untersuchungen geklärt.

Angriffe auf Pfleger gab es früher vor allem bei den Elefanten – als diese noch in direktem Kontakt betreut wurden. Zu einem tragischen Vorfall kam es im Jahr 1995, als Komali, der erste in Zürich geborene Elefant, einen Pfleger angriff und diesen schwer verletzte. Komali wurde daraufhin eingeschläfert. Heute gibt es keinen direkten Kontakt mehr zwischen Pflegern und Elefanten.

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