«Das gehört 100-prozentig nicht zur Ausbildung»

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Auch manche 20-Minuten-Leser mussten in der Rekrutenschule Panzer schieben. Andere finden, es gebe bessere Methoden, die Kameradschaft zu fördern.

Ein Leser, der selber die Rekrutenschule in der Artillerie absolviert hat, schreibt, er wisse nichts von «so einem Seich». «Das gehört hundertprozentig nicht zur Ausbildung», schreibt L. K. Die gleiche Erfahrung machte L. R. Er habe als Kanonier in Bière zwar viel Unnötiges machen müssen, aber nie einen 27 Tonnen schweren Panzer stossen. Er habe auch nie von Kameraden gehört, die das hätten tun müssen.

Seine Dienstzeit sei zwar schon ein paar Jahre her, aber «einen Panzer schieben mussten wir bestimmt nie», berichtet A., der auf einer Panzerhaubitze Dienst geleistet hat. Es gebe bessere und weniger risikoreiche Methoden, die Kameradschaft zu fördern. Seine Vorgesetzten hätten ein besseres Augenmass beim Abwägen von Risiken gehabt.

«Ich konnte die Begeisterung sehen»

Die Erfahrungen weiterer 20-Minuten-Leser zeigen aber, dass Bière kein Einzelfall ist. Das Schieben von Panzern sei Bestandteil bestimmter Übungen gewesen, berichtet T. W. aus seiner Zeit als Panzergrenadier. Es stärke den Teamgeist, wenn man ein 27 Tonnen schweres Gefährt mit reiner Muskelkraft bewegen könne.

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Als Offizier habe er die Soldaten die Übung ebenfalls machen lassen. «Ich konnte die Begeisterung in den Augen der Rekruten sehen.» Zur Sicherheit habe immer ein Fahrer im Panzer gesessen und Sichtkontakt mit einem Kadermitglied gehabt. Zudem sei es verboten gewesen, an die Raupen zu fassen.

Er habe das im Jahr 1977 auch gemacht, schreibt P. S. «Aber unsere Haubitze hatte keine Raupen montiert, die war nur auf den Laufrädern unterwegs.» Das gehöre zum guten Ton, wenn man diese RS absolviere.

In der Spur eines Schützenpanzers

Einen Duro den Hang hinaufschieben musste C. K. in der RS, allerdings als Strafe. Der Vorgesetzte habe dabei im Fahrzeug gesessen und die Bremse betätigt.

Von einem anderen risikoreichen Manöver berichtet Panzergrenadier R. «Wir mussten uns in die Spur eines Schützenpanzers legen, der auf uns zufuhr.» Im letzten Moment hätten sie das Gewehr zusammengeklappt und sich in die Mitte abgedreht, bis der Panzer vorbei gewesen sei. «Wäre da etwas passiert …»

A. S. berichtet von einem Panzerfahrer, der 2010 ebenfalls in Bière mit einem 27 Tonnen schweren Panzer einen Drift hinlegen wollte. Das Gefährt kippte, der Rekrut habe bei dem Unfall ein Bein verloren.

Am Dienstagabend hatte sich ein Rekrut auf dem Waffenplatz Bière im Waadtland verletzt, als er mit seinen Kameraden eine Panzerhaubitze schieben musste.

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