Der tote Soldat, der Trump zittern lässt

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Dank Trumps jüngster verbaler Entgleisung wurde ein gefallener pakistanisch-stämmiger US-Soldat posthum berühmt. Wer war Humayun Khan, und wofür kämpfte er?

Humayun Khan, US-Soldat im Rang eines Hauptmanns, ist 27 Jahre alt, als er während eines Einsatzes im Irak in eine tödliche Falle tappt. Es ist der 8. Juni 2004. Seiner Truppe ruft der junge Captain noch ein «in Deckung» zu, als er das Taxi mit hoher Geschwindigkeit auf den Eingang seiner Armeebasis in der Stadt Baquba zusteuern sieht. Wenige Schritte und Atemzüge später setzt die Explosion einer über 100 Kilogramm schweren Autobombe seinem Leben ein abruptes Ende.

So weit eine traurige Geschichte von vielen. Bis ein respektloser Kommentar des für seine schrankenlose Respektlosigkeit bekannten US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump Humayun Khans Schicksal posthum einer grossen Medienöffentlichkeit bekannt machte.

Eine Entgleisung zu viel

Dazu führte ein weiteres – aus aktuellem Anlass entscheidendes – biografisches Detail: Humayun Khan war amerikanischer Muslim, Teil einer Minderheit und einer von über sechstausend muslimischen Soldaten, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in der US-Armee dienen oder gedient haben.

Khizr und Ghazala Khan, die Eltern des Gefallenen, traten am Parteitag der Demokraten in Philadelphia auf. «Bisher nichts und niemanden» habe der republikanische Präsidentschaftskandidat geopfert, hielt Khizr Khan Donald Trump vor. Und Trump solle nur mal nach Arlington gehen, sich auf dem Friedhof die Gräber von US-Soldaten anschauen – Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen.

Trumps bestenfalls unsensible Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Er mokierte sich mit Rückgriff auf ethnische Stereotypen darüber, dass Khans Frau beim Auftritt in Philadelphia geschwiegen hatte – was sie später damit begründete, dass sie vor Trauer und Emotionen nicht habe sprechen können. Auch er habe eine Menge Opfer gebracht, sagte Trump weiter. Und führte in diesem Zusammenhang seine beruflichen Errungenschaften an. Das empörte nicht nur die Eltern des Gefallenen, sondern ganz Amerika. Möglicherweise, so der Tenor in US-Medien, ist Polterer Trump diesmal zu weit gegangen und läuft Gefahr, Anhänger zu verlieren.

Moebel THEMA

Der amerikanische Traum

Ein Porträt des US-Nachrichtensenders CNN stellt jetzt den jungen Mann vor, dessen Schicksal indirekt den jüngsten Trump-Shitstorm ins Rollen brachte.

Geboren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, war Humayun Khan noch als Junge mit seinen pakistanischen Eltern und seinen zwei Brüdern in die USA eingewandert. Die Familie liess sich in den Achtzigerjahren in Maryland nahe der US-Hauptstadt Washington D.C. nieder. Dort machte Khan seinen Highschool-Abschluss und einen Studienabschluss in Psychologie. Um sein Jura-Studium zu finanzieren, unterschrieb er bei der US-Army.«Wie viele Einwanderer kamen wir mit leeren Händen in dieses Land. Wir glaubten an die amerikanische Demokratie und an das Gute in diesem Land. Daran, dass wir mit harter Arbeit unseren Beitrag dazu leisten könnten und daran teilhaben können», sagte Vater Khizr Khan Ende Juli auf dem Parteitag der US-Demokraten in Maryland.

Er kam als Friedensbringer, nicht als Eroberer

Seine Chefs bei der Armee befördern Humayun Khan zum Captain – und schicken ihn in den Irakkrieg. Dort geht es 2004 blutig zu. Khan ist als Ordonnanzoffizier der Infanterie unter anderem für die Sicherheit seiner Armeebasis zuständig. Nebenbei engagiert er sich für ein Armeeprojekt zur Förderung der unternehmerischen Eigeninitiative irakischer Bürger. «Er wollte helfen, Frieden stiften», sagt sein Vater. Bis zu jenem fatalen Tag, an dem eine Autobombe diesem Ansinnen ein jähes Ende machte.«Wir werden ihn und das, wofür er stand, niemals vergessen.» Worte von Kahns Befehlshaber, Lt. Col. Dan Mitchell, an seiner Beerdigung. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem nationalen Friedhof der US-Armee in Washington D.C., Arlington Cemetery, beigesetzt.

Trump ging vielen einen Schritt zu weit

Derzeit avanciert sein Grab zu einer Pilgerstätte für empörte und patriotische Bürger aller Couleur, Religionen und Rassen. Seit der Fall bekannt wurde, legen täglich unzählige Besucher – empört über Trumps Respektlosigkeit – Blumen und Karten nieder.

(jros)

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