Granit Xhaka «Bin ein Vertreter für alle Albaner, die hier leben»

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Starke Worte von Granit Xhaka. Der Nati-Star erklärt sich ausführlich in der Kosovo-Frage.Granit Xhaka hat sich in einem ausführlichen und emotionalen Schreiben an die Menschen in seiner Heimat gewandt. Der Schweizer Nationalspieler erklärt, weshalb er sich für die Schweiz entschieden hat und ihm am Ende keine andere Wahl blieb.

Zu Beginn stellt der 24-jährige Arsenal-Söldner klar, dass ein Wechsel zum Kosovo aufgrund der Fifa-Statuten nicht möglich war. Mitte Mai, kurz nach der Aufnahme des Kosovo durch die Uefa und Fifa, war die Rechtslage unklar. Kann ein Spieler, der bereits für eine andere Nation A-Länderspiele bestritten hat, künftig für den Kosovo spielen? Wenn ja: Innerhalb welcher Frist muss der Nationenwechsel erfolgen?

Ärger über den kosovarischen Verband und die Fifa

Xhaka stellt nun klar: «Uns wurde von der Fifa in einer offiziellen Mitteilung gesagt, dass für Spieler, die an der EM für eine Nationalmannschaft gespielt haben, keine Möglichkeit mehr besteht, für eine andere Nationalmannschaft aufzulaufen.» Demnach dürften auch Diskussionen um andere aktuelle Nati-Stars mit kosovarischen Wurzeln vom Tisch sein. «Wir Spieler hatten diese Informationen nicht. Man hätte uns darüber in Kenntnis setzen sollen. Als der Kosovo anerkannt wurde, hätte der kosovarische Fussballverband (FFK) von der Fifa eine Erklärung verlangen sollen.»

Er und seine Entourage hätten sich darüber informiert, ob die Möglichkeit bestehe, für den Kosovo zu spielen, man «habe es aber nicht publik gemacht, weil ich mich zuerst informieren und dann erst mitteilen wollte, warum ich mich so entschieden habe. Einige Dinge, die Medien und Verbandsleute in Umlauf gebracht haben, sind Lügen.»

Nun zum offenen Brief des 24-jährigen Mittelfeldstars, der unter diesem Link zu finden ist. Einzige Auszüge daraus:

«Es war eine der schwersten Entscheidungen in meinem Leben, auch wenn aus rechtlicher Sicht kaum Spielraum da war. Es ist keine Entscheidung gegen den Kosovo – ganz im Gegenteil: Es ist eine für den Kosovo und die Menschen aus meiner Heimat. In der Schweiz arbeiten und leben Tausende Albaner. Die Schweiz und ihre Bevölkerung haben viel für unsere Landsleute getan, die hier leben und arbeiten können. Dass ich weiterhin für die Schweiz spiele, bringt meinen Respekt und meinen Dank gegenüber dem Land, den Leuten und der Gastfreundschaft zum Ausdruck.

Sie haben uns alles gegeben, als niemand unser Land unterstützt hat. Sie haben mein Volk mit offenen Armen und ohne Vorurteile begrüsst. Wir sollten unsere Freunde nicht nur in den Momenten lieben, in denen wir sie brauchen, und diejenigen respektieren, die uns in den schwersten Zeiten geholfen haben. Das habe ich von meinem Land (Kosovo, die Red.) gelernt. Dennoch bleibt es mein Traum, eines Tages für mein Land zu spielen. Trotzdem wurde er bereits ein Stück weit wahr, weil mein Bruder (Taulant Xhaka, die Red.) mich und meine Familie vertritt.

Mein Traum wird zwar nicht wahr, aber wenn ich daran denke, dass sich über 300’000 Albaner in der Schweiz durch meine Präsenz in der Schweizer Nationalmannschaft vertreten fühlen, bin ich stolz, weil ich ein guter Vertreter für jeden Albaner, der in der Schweiz lebt und arbeitet, sein werde. Ich liebe mein Land, wo immer ich gerade bin, und werde stets mit erhobenem Haupt und Stolz erzählen, dass ich Albaner bin.»

Nebst all dem Stolz und Liebe gegenüber seiner Heimat hat Xhaka aber noch eine andere Botschaft. An all jene, die den 24-Jährigen im Internet mit beleidigenden Kommentaren eingedeckt haben.

«An diesen Tagen habe ich mich schlecht gefühlt, weil ich mich mit grundlosen Beleidigungen eurerseits auseinandersetzen musste. Die, die das gemacht haben, wissen nicht alles. Aber ihr wisst sehr wohl, wie sehr ich euch liebe. Ihr habt mich grundlos verletzt. Ihr wisst nicht, wie sehr ich daran gearbeitet habe, um euch euren Wunsch zu erfüllen.

Wisst ihr, was die Familie Xhaka alles für das albanische Volk geleistet hat? Eine Frage: Unter welcher Flagge spielt Taulant Xhaka? Mein Bruder und Sohn von Ragip spielt für die Flagge von Adem Jashari, für die Flagge, für die Tausende ihr Leben gelassen haben.»

Moebel THEMA

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