Interlaken fürchtet sich vor einem Burkaverbot

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von Mira Weingartner – «Lieber Burkas als zu knappe Hotpants», sagt SVP-Mann Ernst Voegeli: Für ihn ist eine Verbot kein Thema. Er spricht den Tourismus-Anbietern vom Bödeli aus dem Herzen.

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Ein Burka-Verbot könnte Interlaken schaden, darüber sind sich Gewerbler und Touristen einig.Anruf aus Riad nach Interlaken: Ein Saudi-Araber bucht für seine Familie für den nächsten Tag einen Reitausflug bei Pferdeunternehmer Ernst Voegeli. «80 Prozent meiner Kunden stammen aus dem arabischen Raum», sagt der Unterseer SVP-Gemeinderat. So schwingen sich oft Frauen mit Niqabs, Hijabs und Burkas auf eines der 60 Pferde der Reitschule Voegeli – «das ist absolut kein Problem», so Voegeli.Anders sieht dies der Nationalrat: Vergangene Woche wurde in der grossen Kammer über ein schweizweites Burkaverbot debattiert und dieses schliesslich auch gutgeheissen.

Burkaverbot hätte Auswirkung auf Logiernächte

Ein Burkaverbot wäre für die Tourismus-Destination Interlaken eine mittlere Katastrophe, hat sich doch die Region mit Halal-Schiffahrten, Stadtführungen mit arabischen Guides und weiteren spezifischen Angeboten auf die gut betuchten Gäste aus dem arabischen Raum spezialisiert.

Daniel Sulzer, Direktor der Tourismus Organisation Interlaken (TOI), sagt: «Man kann nicht in Zahlen sagen, welche Folgen ein Burkaverbot für uns hätte, aber es dürfte eine negative Auswirkung auf die Logiernächte haben.»

Anstrengungen würden zunichte gemacht

Bisher hat TOI noch keine Massnahmen getroffen. «Es fiel ja auch noch kein definitiver Entscheid», sagt Sulzer. Es gebe aber viele Fragen aus der Bevölkerung zum Thema. «Wir von der Tourismus Organisation Interlaken vertreten seit jeher die Haltung, dass wir eine offene Kultur gegenüber allen Gästen pflegen. Ein Verbot würde dem entgegenspielen.»

Auch Marco Von Euw, Direktor des Hotels Metropol, hat Respekt vor einem möglichen nationalen Verbot. «Ein solches könnte weitere Kreise ziehen, als wir bisher annahmen, denn wir haben grosse Anstrengungen unternommen, um den Touristinnen aus diesen Ländern unsere Destination schmackhaft zu machen.» Er glaubt, dass es zumindest sehr viel Aufklärungsarbeit vor Ort im arabischen Raum bedürfte, wo die Reisen verkauft werden.

«Können uns die Gäste nicht aussuchen»

Auch Reitschul-Besitzer Ernst Voegeli hält ein solches Verbot für Unsinn, wie «Bund» berichtet. «Ein Burka-Verbot würde unserer Region schaden», so Voegeli gegenüber 20 Minuten. Schliesslich profitiere das gesamte lokale Gewerbe von den arabischen Gästen. Dass man mit einem Verschleierungs-Verbot diese zahlende Kundschaft nun verscheuchen will, gehe ihm nicht in den Kopf. «Wir können unsere Gäste doch nicht auslesen.» Ihm seien die verschleierten Araberinnen lieber als Touristinnen in zu knappen Hotpants.

Dass er mit dieser Meinung aus der SVP-Reihe tanzt, ist Voegeli egal. «Ich mache mir eine eigene Meinung und gehöre weder dem Berner noch dem Zürcher SVP-Flügel an.» Seinen Lohn erhalte er auch nicht von der Schweizerischen Volkspartei – es sei der Tourismus, von dem er lebe.

Bei den orientalische Gästen ist das bereits bestehende Burka-Verbot im Tessin auch während den Ausritten mit Ernst Voegeli ein Thema: Weil sie mit ihrer traditionellen Kleidung im Tessin nicht erwünscht seien, würden viele nun im Berner Oberland Ferien machen.

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